Die Wertschätzung kreativer Arbeit

Sind wir mal ehrlich. Die Wertschätzung kreativer Arbeit ist sehr gering. Ich habe gestern einen tollen Artikel darüber auf Page gelesen und nachdem ich heute wieder Gespräche mit meinen Kunden hatte, ist mir die Hutschur hochgegangen.

Ja ich kann verstehen, dass man vielleicht nicht das dickste Budget hat und man selbst schauen muss, dass man nicht zuviel ausgibt, weil man eben noch nicht viel einnimmt. Ist an sich ja auch kein Drama, ABER auch wir kreativen müssen sehen wo wir bleiben. Es ist nicht so, dass wir (ok ja einige sicher) jeden Monat tausende von Euro verdienen. Woher denn auch? Durch Kunden wie euch, die immer „GÜNSTIGER!“ schreien und letztendlich bei den Billigportalen einkaufen gehen? Die meinen „Na du hast doch aber jetzt nur 1 1/2 Tage dran gearbeitet, warum ist das dann so teuer? Das ist ja ein horrender Stundenlohn.“ Wirklich? Denkt ihr auch mal nach?

Überlegt ihr auch mal, dass wir vielleicht in der Zeit, die wir keine aktive Kundenarbeit leisten, trotzdem gestalten? Uns Vorlagen erstellen, die wir nutzen können, wenn ein passender Auftrag reinkommt? Dass wir Ideen haben, die manchmal nur darauf warten, dass jemand kommt, der etwas passendes dazu haben möchte? Macht es unsere Arbeit dadurch minderwertiger, nur weil wir schneller liefern können?!

Teilweise liefern wir euch Ideen und Umsetzungen, die ihr JAHRELANG nutzt, ohne dass ihr je wieder etwas dafür zahlt. Wir treten unser geistiges Eigentum an euch ab und sollen euch unsere absolute aktive Arbeitszeit in Rechnung stellen? Und in den meisten Fällen nicht einmal das, weil auch das zu teuer ist?! Geht es euch noch gut?

Gerade wenn es um Branding, CI, Logoentwicklung oder Produktdesign geht. Warum glaubt ihr, dass unsere Arbeit es nicht wert wäre angemessen entlohnt zu werden? Natürlich gibt es günstige Anbieter. Natürlich sollte man auch denen bei Zeiten mal eine Chance geben, weil einige davon erst dabei sind ein Portfolio aufzubauen und deswegen keine horrenden Preise nehmen können. Ich kann es auch nicht. Ich nehme keine horrenden Preise. Aber ich nehme angemessene Preise für die Arbeit, die ich leiste. Und ich bin viel zu oft zu nett und gehe dann noch im Preis nach unten oder schlage noch mehr Leistungen oben drauf, so dass mein aktiver Stundenlohn (ohne Ideenfindung oder Vorarbeit) vielleicht gerade mal bei 11 Euro liegen würde. 11 Euro klingt für euch ok? Nein. Ich habe keine 40 Stunden Woche. Nicht mal eine 10 Stunden Woche, wenn man es mal hochrechnet. Immernoch gut?

Findet ihr das fair? Fair dafür, dass ihr etwas erhaltet, dass euren Gewinn maximiert, Kunden anlockt und ihr noch mehr davon habt? Wir könnten das ja auch so machen, dass wir für sowas wie Branding Verträge aufsetzen und wir Designer am Gewinn beteiligt werden. Denn es liegt mit an uns, dass ihr Profite fahren könnt. Na wie klingt das? Findet ihr doof? Wir fänden das nur fair – so wird es aber nicht kommen, also müssen wir uns weiter mit euch rumschlagen und versuchen euch klar zu machen, warum unsere Arbeit ihren Preis auch wert ist und nicht nur nach aktiver Arbeitszeit bezahlt werden sollte. Das gilt im Übrigen nicht nur für die Gestaltung von Dingen. Sondern auch für Konzepte.

Wertschätzung fängt bei uns selbst an.

Also steht für eure Arbeit ein. Lasst euch nicht immer runterhandeln oder euch sagen, dass es zu teuer sei. Es kann sich nur etwas ändern, wenn wir selbst anfangen zu verstehen, was wir da eigentlich leisten und nicht immer nur im Nachheinein sagen „Oh schau mal, das ist von mir.“ – „Oh ja cool. Und was hast du dafür bekommen? War bestimmt teuer!“ – „Ach ne… waren nur 150 Euro, die ich dafür bekommen habe.“

Bedenkt bei eurer Kostenabrechnung, dass es oftmals eben nicht nur um die aktiven Arbeitsstunden an dem Projekt geht oder gehen sollte. Es geht um den Prozess, es geht um die Nutzung, es geht um euer geistiges Eigentum, das andere für ihre Zwecke einsetzen. Agenturen und Firmen haben einen ganz anderen Spielraum als ihr selbst, wenn ihr es nur nebenberuflich oder wirklich als Selbstständiger macht. Allerdings bekommen die auch meistens wesentlich mehr als ihr für denselben Auftrag. Ihr könnt euch mit denen aber auch nicht wirklich messen, da der Leistungsumfang ein vollkommen anderer ist. Als Freelancer bei Agenturen oder Firmen hat man es im Übrigen in den meisten Fällen gar nicht mal so schlecht. Da ist die Wertschätzung kreativer Arbeit auch noch auf einem ziemlich niedrigen Niveau aber sie ist weitaus besser als bei den (Klein-)Kunden direkt. Ihr solltet euch niemals zu fein sein euren Kunden auch mal die Meinung zu geigen. Klar ihr seid auf die Aufträge angewiesen. Aber deswegen muss man sich nicht wirklich „respektlos“ behandeln lassen oder sich bis unter die unterste Grenze im Preis drücken lassen.

So. Jetzt habe ich mir mal wieder Luft gemacht und jetzt kann ich weiter arbeiten. Ich schäme mich nicht für das, was ich denke. Es ist einfach nur wahr. In den meisten Fällen wisst ihr einfach nicht, was ihr an unserer Arbeit eigentlich habt.

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